Flurfunk

Der “Flurfunk” der Branche funktioniert allem Anschein nach noch immer bestens. So wurde mir von verschiedenen Seiten zugetragen, dass auf der gestrigen “Update” in Berlin auch mein Tun und Handeln Gesprächsstoff war. Es wäre gelogen zu behaupten, dass mir das nicht schmeichelt – hatte ich doch nie damit gerechnet, dass mein Statement solche Kreise zieht. Und nur, weil es polarisiert bleibt das Thema in den Köpfen der Leute und weckt folglich wohl auch einen gewissen Gesprächsbedarf. Wenn dieser auch in erster Linie eher nur damit bedient wird, sich das Maul zu zerreißen und nur die Wenigsten eine klare Haltung dazu einnehmen. Zu groß scheint nach wie vor die Angst, man könne sich die ohnehin schon selten buchende Kundschaft verprellen. Liebe Repräsentanten, auch Euer Geschäft ist seit Jahren rückläufig, ihr kalkuliert und schreibt zwar KVA´s mehr denn je, aber bei den Buchungen, Honoraren, Buyouts stottert es gewaltig. Der Aufwand steht schon lange nicht mehr in annähernd akzeptabler Relation zu den Einnahmen. (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel). Ich bekomme ja mit was im RFI (Interessenverband der Repräsentanten für Fotografen und Illustratoren e.V.) so besprochen wird – seid versichert, auch bei Euch funktioniert der Flurfunk ausgezeichnet. Wenn ihr es dann doch einmal alle zusammen auf die Reihe bekommen solltet das KVA ´s mit einen Gesamtvolumen ab 20k nur noch gegen Bares über den Tresen gehen, würden die jetzigen Kalkulations-Orgien sofort aufhören. Ich wäre ein klarer Befürworter dieser Maßnahme.

Das Ziel, welches ich mir gesetzt habe, ist sicher sehr ambitioniert: eine deutliche Steigerung meines jetzigen Stellenwerts als Fotograf. Ja, Ihr habt richtig gelesen: der Typ, der fast sein komplettes Equipment verkauft und gerade seine gesamte Struktur verschlankt, setzt auf Wachstum. Bildlich gesprochen wird aus dem schwerfälligen Dampfer ein wendiges kleines Speedboot. Guerilla-Taktik, ganz recht.

Warum das Ganze? Erreiche ich das Ziel, macht mich das vor allem gestalterisch unabhängiger, natürlich irgendwann auch gefolgt vom Finanzellen. Besagte Kombination ist für einen Kreativen ein echtes, meist leider nahezu unerreichbares, Privileg – welches uns ja aber freies und zielführendes Arbeiten überhaupt erst möglich macht.

Eine Begegnung, die ich bereits vor Jahren hatte, bekräftigt mich heute mehr denn je, dass dies der richtige Weg ist. Ich war mitten in einem Shooting für einen Kampagnen-Pitch einer sehr bekannten Werbeagentur. In der Mittagspause erzählten der AD und der verantwortliche CD voller Bewunderung, wie sie letzte Woche in London mit einem weltweit renommierten Fotografen gearbeitet haben. Sie berichteten, sie hätten erst sogar Schwierigkeiten gehabt ihn zu verpflichten und dass er wegen dem Honorar gemault hätte. Ich erkundigte mich nach der besagten Zahl und danach, was sie dafür bekommen haben. So, festhalten: 100.000 Euro. Dafür gab es einen Studio-Tag mit dem Kollegen und zwei Motive + einen weiteren Tag, an dem sein Assistent nochmal zwei weitere Motive geshootet hat; er selbst war dazu nicht bereit. Mitspracherecht der Agentur? Nach Lust und Laune des Fotografen, also getreu dem Motto: Geh mir besser nicht auf den Sender, sonst schmeiß ich Euch raus.

Also gibt es wohl doch noch Luft nach oben und ganz offensichtlich auch gar nicht mal so wenig. Man muss natürlich an den (vermeintlich richtigen) Stellschrauben drehen, um etwas zu bewegen.

Die Frage “Und wenn Du das nicht schaffst, hast du einen Plan B?” muss ich nach wie vor verneinen. In besagtem Falle wäre ich mit meinem Vorhaben gescheitert und würde mir einen neuen Job suchen müssen. Bin aber auch ich bei allem scheinbaren Wahnsinn kein komplett unüberlegter Verrückter – allein die Verschlankung meiner Arbeitsstruktur spart jeden Monat sehr viel Kapital und lässt mich weiterhin ruhig schlafen.

Die Details zum Plan, den ich mir für mein Unterfangen zurechtgelegt habe, möchte ich hier noch nicht verraten. Die gibt’s entweder auf der nächsten Branchen-Veranstaltung zwischen Canapé und dem zwölften sich wiederholenden Smalltalk ohne Garantie auf Wahrheitsgehalt. Oder hier. Live und in Farbe. Direkt vom Erzeuger.

3 Comments

Detlef Heese

Thorsten … eigentlich hört sich das an, dass Du ein gutbezahlter “Künster” sein möchtest … Du dich aber in einer Dienstleistungbranchen bewegt hast. ADs sind froh wenn sie ihr Konzept beim Kunden durch haben und dann soll der Arsch mit Finger nicht noch reinreden will 😉

Ich finde deinen Ansatz toll und bin gespannt ob er fruchtet.

Glück auf!

Reply
Thorsten Rother

Nun, so ganz richtig ist das nicht mit dem Künstler, und das wäre wieder eine Schublade 😉
Wir sollten erst die Parameter abstecken, zwischen einem reinen Dienstleister (also der Arsch mit Finger) und einem reinen Künstler (der in Museen ausstellt) ist sehr sehr sehr viel Platz. Warum sollte man den nicht ausfüllen? Genau dieser freie Raum gefällt mir. Ich sehe mich weder als reinen Dienstleister noch als reinen Künstler, sondern als Fotograf. Und mal rücke ich etwas näher in diese Richtung und dann wieder in die andere, je nachdem welche Aufgabe mich grade reizt.

Die Werbung ist keine reine Dienstleister Branche, so wie sie auch nicht die all umfassende Spielart in diesem Medium ist. Die Leute sollen in mir sehen was sie wollen, mir ist das wurscht 🙂

Reply

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

captcha

Please enter the CAPTCHA text