Die Nebelwand, das Auto und ein Buch

Mein Wochenende begann mit einem interessanten Gespräch. Ich telefonierte mit einem guten Kollegen, der beruflich länger unterwegs war und unser letzter Austausch daher schon ein paar Wochen zurücklag. Er war natürlich genau so neugierig wie ich, was in Zwischenzeit so alles passiert ist und so brachten wir uns auf den neusten Stand. Irgendwann kam die Frage auf, in wieweit man Kompromisse bei seiner fotografischen Arbeit eingehen sollte. Ich erzählte ihm von meiner persönliche Erfahrung, mich in den letzten Jahre eindeutig zu oft auf einen akzeptablen Mittelweg verständigt zu haben. Mit der fatalen Folge, dass meine eigene Arbeit und mittelfristig auch Karriere im Grunde dadurch regelrecht stagnierten. Was man aber erst mit etwas Abstand merkt. Meine Empfehlung an ihn war, die kommerziellen Arbeiten klar zu selektieren, nur die gut bezahlten Aufträge anzunehmen und sich so genug Raum für sein eigentliches Ziel zu lassen.

Das Gespräch, die jetzige Situation katapultierten mich in meinen Gedanken in die Vergangenheit. Hamburg, frühes 1999. Fast 18 Jahre her und doch kann ich mich gerade momentan noch sehr oft sehr genau an die damalige Zeit erinnern. Als ich in die Hansestadt ging, um als Fotograf zu arbeiten und die Zeit jetzt, weist nicht nur gefühlstechnisch Parallelen auf. Eine Fahrt durch Nebelschwaden, die Sicht ist verdeckt, Ausgang des Ganzen ungewiss. Du musst Dich auf Deine Instinkte verlassen und Deinem Baugefühl folgen. Wichtig sind nur zwei Fragen: “Was interessiert Dich?” und “Wie kannst Du es um setzen?” Beide Fragen konnte ich mir inzwischen beantworten, was also heißt: Ich bin auf Kurs. Das ist natürlich leicht geschrieben und Ihr könnt Euch denken, dass es auch Tage gibt und geben wird, an denen es verdammt schwer ist. Was mir da aber ganz sicher helfen wird ist, diese Erfahrung wie oben beschrieben nicht zum ersten Mal zu machen. Zu wissen, dass es sich lohnt, sich auf sich selbst und sein Bauchgefühl zu verlassen.

In dem bereits erwähnten Telefongespräch kam noch ein anderes Thema auf, welches ich zwar bereits schon von einigen Seiten gehört hatte, mich aber immer wieder aufs Neue verwundert: dass ich die letzten Jahre überwiegend als Auto-Fotograf wahrgenommen wurde. Zweifelsohne gehört das Auto zu meinen Themen –  jedoch weder ausschließlich noch an erster Stelle. Nach wie vor finde ich es am spannendsten Menschen zu porträtieren und mit ihnen zu arbeiten. All meine großen Kampagnen in der kommerziellen Fotografie waren People-Kampagnen. Das Auto kam erst wesentlich später dazu und auch eine Autokampagne im klassischen Sinne hab ich kein einziges Mal fotografiert. Das Auto war oft Teil in einer Strecke, in der auch immer der Mensch und die Umgebung eine Rolle spielten. Die Auftraggeber kamen größtenteils aus dem Bereich Kundenmagazin und dem klassischen Editorial, ab und an auch die Marken selbst als Direktkunden.

Mein Kollege fragte mich auch, woher ich den Mut und das Selbstverständnis nehme, nur mit natürlichem Licht oder dem, was die Umgebung hergibt, zu arbeiten. Ich erzählte ihm darauf von einer kompletten Kampagne und sogar einem Buchprojekt, welche ich so geschossen habe. Die Möglichkeit, ein Bildband als bezahlten Auftrag zu fotografieren bekam ich erstmals 2012. Das Unternehmen war in der Möbelindustrie tätig und wollte sich als solches fotografisch dokumentieren lassen. Wer jetzt denkt: “Ah ok, langweilige Mitarbeiter-Portraits und so weiter”, der irrt. Uns war recht schnell klar, dass die ungeschönte Wahrheit in all ihrer alltäglichen Skurrilität zu zeigen völlig ausreichen wird, um eine reale Unternehmensdarstellung zu schaffen, deren bildliche Ästhetik dennoch für sich spricht. Ich hatte großes Glück, dass sich das Unternehmen für diesen Ansatz, ganz weg von einer künstlich inszenierten werblichen Darstellung, begeisterte und diesen dann auch bei mir in Auftrag gab.

Kurz davor habe ich meine ersten beiden Fuji X-Pro1 erworben und nahm sie zu dem Auftrag mit; auf zusätzliche Lichtquellen oder sonstige Aufbauten verzichtete ich – entgegen vieler Ratschläge –  komplett. Ich konnte mich in den 3 Werken des Unternehmen frei bewegen und bekam sogar Zutritt zu Räumen, die seit den 1980er Jahren verschlossen waren. Wir wühlten uns durch Archive und Unterlagen, es war die reinste Zeit- und Entdeckungsreise. Wenn ich von wir spreche, meine ich damit einen Assistenten und der damalige Junior Chef (Markus noch mal danke dafür!). Dass ich das Buch dann selbst nie wirklich vorgestellt habe, hat 2 einfache Gründe: Im Gegensatz zu vielen Kollegen, die jetzt Bücher produzieren, musste ich das Buch nicht verkaufen. Zum anderen wurde 2013 mein Sohn geboren. Dadurch verlagert sich der Fokus dann eine Zeit lang.

Mit dem immer lauter werdenden Wunsch nach Veränderung und Umbruch kam dann Anfang 2016 auch das Buch im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf den Tisch. Und lag da, fast schon wie ein Mahnmal, in jedem Fall aber als Beweis dafür, dass sich kompromisslos zu sein (fast) immer lohnt. Und ein akzeptabler Mittelweg oft auch nur eins ist: mittelmäßig.

Zum Schluss meines heutigen Blog-Post möchte ich euch einige Seiten aus dem Buch zeigen, die – wie ich denke – für sich sprechen.

 

One Comment

a3

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great day. Bye

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