Back to the roots, oder einfach “echt”

Echte Fotos und Bilder – das ist, was ich (wieder) machen möchte und tun werde. Hunderte Einzelteile ablichten, um sie dann wieder zu einer Grafik zusammen zu bauen, um diese danach zu retuschieren, was das Bildbearbeitungsprogramm hergibt – nur, weil es die Technik möglich macht? Auch hier habe ich lange genug Kompromisse gemacht. Back to the roots Part I: Die Menschen, die ich fotografiere, sollen als solche zu erkennen sein. An der Postarbeit interessiert mich persönlich am meisten, dem Bild-Look einer Fotostrecke einen bestimmten Farbstich zugeben. Schwarz/Weiß ist für mich auch wieder ein Thema geworden, welchem ich verstärkt nachgehen möchte. Zu meinen Anfängen habe ich ausschließlich schwarz/weiß gearbeitet – back the roots Part II.

Ihr merkt also, meine Ausrichtung ist inzwischen noch klarer geworden. Mein Bildstil kann und wird sich so noch weiter schärfen. Für wen ich arbeite ist mir grundsätzlich egal. Ob Werbung, Magazin oder Direktkunde – solange die Produktionsbedingungen (siehe Blog-Post vom 27. September) eingehalten werden. Anfragen, die von der Stilistik nicht zu mir passen, werde ich freundlich aber unmissverständlich absagen. Vor etwa 2 Wochen: Eine bekannte Kreativ-Agentur kam mit einer Anfrage zu einem People-Job auf mich zu. Als mir das Briefing dann vorlag, war recht schnell klar, dass 80% des Bildes in 3D umgesetzt werden müssen, um es zu verwirklichen. Absolut legitim so zu produzieren, nur möchte ich so einen Auftrag nicht annehmen. Zu weit entfernt von meinem Verständnis für und Anspruch an “echt”. Für solche Aufträge gibt es 3D-Spezialisten, die sich über einen Anruf sicher freuen. Wenn es um die Produktion cooler und echter Bildstrecken geht, liebe Agenturen, wählt sehr gerne meine Nummer.

Wachstum und Ausbau meines Stellenwerts als Fotograf sind erklärte Ziele auf meiner Reise. Nur logisch, dass mich diese dann auch über die Landesgrenze hinweg führen muss, zumal ich den deutschen Markt schon seit geraumer Zeit als sehr oder zu „eng“ empfinde. Leichter gesagt als getan, dessen bin ich mir bewusst. Genauso wie der Tatsache, dass zu Beginn meiner Karriere hier zu Lande kein Mensch aus meiner näheren Umgebung an mich und mein damaliges Ziel geglaubt hat. Beharrlich, fast schon stoisch daran zu arbeiten hat offensichtlich gut funktioniert. Jetzt, mit noch sehr vielen Wassern mehr gewaschen als damals, hilft mir diese Erfahrung bei der Einschätzung und letztlich dem Sprung auf den internationalen Markt. Beginnen werde ich mit den großen und bekannten Magazinen in Frankreich, England, Italien und den USA.

Regie, als mein zweites Standbein, hatte ich ja schon erwähnt. Auch bei meiner Neuausrichtung als Fotograf werde ich dieses Genre nun unterstützend einsetzen und für die Redaktionen “Editorial Moving Images” zu einer Fotostrecke anbieten. Klar weiß ich, dass viele andere das inzwischen ebenfalls machen; hier liegt wie sooft der Unterschied im wie. Und hier lässt mich meine Erfahrung als Regisseur auf einem ganz anderen Level liefern. So sind die bewegten Bilder Teaser für die Fotostrecke – kein Neben- oder gar Abfallprodukt. Sondern die perfekte Ergänzung im Instagram-Feed, der App oder der Website des Editorials, auf die man im Ausland übrigens schon lange nicht mehr verzichten möchte und diese Kombination selbstverständlich nutzt. Wie bei so vielen Dingen haben wir das mit unserer konservativer Skepsis verschlafen und reden bis heute nur darüber. Mit eben diesem Ansatz stieß ich vor etwa 7 Jahren bei verschiedenen Redaktionen auf taube Ohren und wenig Interesse statt Begeisterung und Mut, etwas auszuprobieren. Große Ausnahme: Die deutsche GQ, mit der ich in diesem Bereich schon viel gemacht habe.

So, jetzt aber genug der Worte und auf zu den viel besagten Taten. Für die es doch so wenig braucht: Kopf und Kamera.

2 Comments

Anonym

Spannend zu lesen, das der deutsche Markt eng ist stimmt, zwar arbeite ich nur redaktionell, aber auch hier schaut man sich schnell um. Daher meine Partnerschaft mit einer renommierten amerikanischen Bildagentur (diese ist jetzt fusioniert “Great Bowery”) für meine freien Projekte. Da gab es auch gleich eine Veröffentlichung, ganzseitig in der Cosmo USA / NY, leider war der Ertrag mehr als dürftig, 2 stellig.
Aber ich denke, dein Weg wird da ganz anders sein, bin gespannt ob es funktioniert.

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Thorsten Rother

Nun das wird für mich genauso schwer, aber ich möchte es halt versuchen, und man sollte seine Ziele auch mal benennen. Zumindest finde ich das wichtig. Es gibt auch hier zu Lande ein paar echt tolle Magazine für ich gerne Mal arbeiten würde. Jetzt muss ich erst etwas am Portfolio schrauben und verstärkt freie Arbeiten hinzufügen.

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