Der Agent

Da dies in letzter Zeit oft Thema in Nachrichten und persönlichen Gesprächen mit Euch war, schreibe ich hierzu heute einen kleinen Beitrag. Viele junge Fotografen glauben nach wie vor, sie haben es geschafft, wenn sie einen Agenten haben. Da muss ich Euch leider enttäuschen. Zweifelsohne kann eine Repräsentanz eine Eintrittskarte in die kommerzielle Werbefotografie bedeuten. Viele vergessen jedoch, dass dadurch auch die Anforderungen finanzieller Natur für den Fotografen ansteigen. So sollte Dir bewusst sein, dass Du mindestens zwei Portfolios benötigen wirst: eins für Dich, eins für den Agenten. Viele Repräsentanzen rufen auch Kosten für die Website, Newsletter, Messen bis hin zu monatlichen Pauschalen für die Betreuung auf, was aber je nach Struktur der Repräsentanz stark variiert. Dein Agent wird Dich in regelmäßigen Abständen durch die Lande schicken wollen, um Dich bei Agenturen vorzustellen, was für Dich wiederum Reisekosten, Hotel, etc. bedeutet.

An Deinem Tageshonorar sowie an den erzielten Buyouts möchte Dein Agent mit üblicherweise 25% beteiligt werden. In seltenen Fällen kannst 20% vertraglich vereinbaren, einzige Voraussetzung dafür: Du bist bereits ein echter „Player“ am Markt. Das ist dem Newcomer in der Regel nicht gegeben. Deine redaktionellen Erlöse, die Du durch Editorial-Jobs erwirtschaftest, solltest Du unbedingt als Vertragsgegenstand aus dem Repräsentantenvertrag streichen lassen. Das machen die etablierten Fotografen meist auch so und ist durchaus üblich, da der Agent andernfalls ohne große Gegenleistung mitkassieren würde. Einige Agenten versuchen hier trotzdem immer noch die 10% Regel durchzusetzen, lass Dich darauf nicht ein. Die Redaktionen sprechen ohnehin lieber direkt mit dem Fotografen und die Verhandlungen gehen also schnell und leise, da sie eh mit meist festgelegten Tagessätze und Pauschalen arbeiten. Das kannst Du selbst.

Vorsicht: es gibt immer wieder Versuche Fotografen auch noch nach ihrem Wechsel oder Ausscheiden aus der Repräsentanz finanziell an den „alten“ Agenten zu binden, so wird in manchen seltenen Fällen versucht, dass Du für weitere 6 bis 12 Monate auf Deine kommerziellen Erlöse 10% – 15% an den alten Agenten bezahlen sollst. Lass das bei Deinen Verhandlungen sofort aus dem Vertrag streichen. Das ist schlichtweg nicht akzeptabel und nicht mehr zeitgemäß.

Was wiederum unbedingt in den Vertrag gehört ist, dass der Agent, der Deine Honorare auch abrechnet, Dir Deinen Anteil umgehend auf Dein Konto weiter zu überweisen hat. Du solltest auch fixieren lassen, dass bei Zuwiderhandlung dies ein außerordentlicher und fristloser Kündigungsgrund ist. Wenn dieser Fall dennoch eintreten sollte, solltest Du die Repräsentanz verlassen. Lass Dich auf keinen Fall bei den Zahlungen vertrösten. Bei solchen Dingen sind Fotografen immer wieder ziemlich gestolpert und es wurde selten, aber immer mal wieder, schnell existenzbedrohend.

Meine persönliche Erfahrung mit Agenten sind gemischt, ich habe sehr gute und auch schlechte gemacht. Wobei die positiven Erfahrungen schon überwiegen. Ein paar Stolperfallen oder Erklärungen habe ich Dir hier geliefert, es gibt sicher noch viele weitere, aber das würde jetzt den Rahmen sprengen. Wenn man in die kommerzielle Fotografie möchte und Kampagnen fotografieren will, ist ein Agent sicher gut und ich glaube auch daran das sich hier tolle Allianzen finden können.

4 Comments

Anonym

Was zahlen die etablierten Magazine für ein redaktionelles Cover Shooting im Studio? Von bis wäre schon interessant zu wissen? Hast Du da Zahlen?

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Thorsten Rother

Das ist ein weites Feld, und wird von Magazin zu Magazin unterschiedlich behandelt und auch honoriert. Die Frage wäre eher: was ist ein etabliertes Magazin? Über was reden wir, eins der großen Nachrichtenmagazine, oder eins der bekannteren Modemagazine, oder doch ein Kundenmagazin? Du merkst bei der Frage selber schon sicher, mit “von/bis” kann man das nicht wirklich beantworten.

Zu dem kommt hinzu das jedes Magazin bei der Titelfindung eine andere Herangehensweise hat, einige leisten sich eine eigene Bildredaktion nur für den Titel, bei anderen wird der Titelschuss in die Cover-Story on the go integriert. etc..

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Anonym

Ja, da muß ich wohl etwas präzisieren. Nationale Modetitel / Zeitschriften, keine Nachrichtenmagazine oder Kundenzeitschriften. Dass, was so am Kiosk käuflich zu erwerben ist und überwiegend aus Werbung besteht.

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