Bücher, Wettbewerbsvorteil und mein Angebot

„Blickfang -Deutschlands beste Fotografen“ – die meisten von Euch kennen das Jahrbuch, welches vor kurzem die 2016/2017ger Ausgabe veröffentlicht hat. Auch ich war des Öfteren mit meinen Bildern in diesem Buch vertreten, habe dieses Jahr jedoch beschlossen, mich dort nicht erneut einzukaufen. Richtig gelesen – genau wie eine Tüte Milch im Supermarkt kann man sich als FotografIn diese Bezeichnung „zu den Besten“ zu gehören kaufen. Darüber kann man denken, was man möchte – für mich entscheidend, diese Investition nicht länger zu tätigen, war, dass es inzwischen nicht nur dieses, sondern eine ganze Reihe Jahr- und Themenbücher gibt, wo ich auch vertreten war. Nicht nur, dass diese durch ihre Masse am Markt austauschbar geworden sind, vielmehr stellt sich die Frage: Wer sieht sich das alles überhaupt noch an?

Auf genau diese Frage gestanden mir die meisten Art-Buyer, dass sie  –wenn überhaupt- bis maximal zum ersten Drittel gekommen sind. Danach landen die Bücher bestenfalls im Regal, werden weiter verschenkt oder man findet sie auf Ebay wieder. Diese Erkenntnis gepaart mit der Tatsache, dass die Anordnung oft alphabetisch ist (das R vor meinem Nachnamen ist hier also nicht gerade von Vorteil) verdeutlichten mir klar, dass meine Bilder in den Büchern kaum gesehen wurden, selbst, wenn ich mal mehrere Doppelseiten gebucht hatte. Dass sich massig Assistenten, die an Jobs interessiert waren, bei mir meldeten, freute mich zwar, war aber nicht Sinn und Zweck dieses Invests, der sich in Zahlen (je nach Jahr) ausgedrückt doch zwischen 2.000 EUR bis 5.000 EUR bewegte. Ein stattliches Sümmchen also, welches ich beschlossen habe, auf einem anderen Wege wieder zu Geld zu machen. Und zwar in Form einer Bahncard 100. Die Möglichkeit und Freiheit, jederzeit ohne Voranmeldung in jeden Zug des Fern-und Nahverkehrs bundesweit einsteigen zu können, ist nicht nur ein entscheidender Schritt in meinem Transformationsplan: “Dampfer – Speedboat” – sie hat sich bereits als Wettbewerbsvorteil herausgestellt. Ich kann dadurch flexibler und schneller freie Arbeiten wie z.B. mein Hausbesuchsprojekt realisieren und bin dadurch auch für Magazine (und gerade kurzfristige Anfragen) wieder wesentlich interessanter, da es für sie in puncto Reisekosten keinen Unterschied mehr macht, ob sie einen „local“ Kollegen oder mich beauftragen.

Mein Angebot in 2017 für alle Magazine: Thorsten Rother fahrkostenfrei und ohne Assistent bundesweit buchen. Ob für München, Hamburg, Berlin, Köln, Düsseldorf oder die tiefste Provinz ist egal. Was jedoch erfüllt sein muss:

-1. Es handelt sich um einen interessanten Portrait Job.

-2. Dieser kann an einem halben Tag und ohne Assistent bewältigt werden. (Das Angebot gilt nicht für andere Themen, wie z.B. Automotiv, Industrie, oder ganze Reportagen, sowie für mehrtägige Produktionen mit Assistenz).

Das würde dann etwa so aus sehen: Ihr beauftragst mich > Ich fahre mit dem Nacht- oder Frühzug zum Einsatzort > Porträtiere die Person in Kulisse XY und verabschiede mich wieder > fahre mit der nächsten Verbindung wieder zurück oder zum nächsten Auftrag > Im Zug kann ich dann schon die Auswahl zum Shooting machen und euch per WLAN zukommen lassen > Fertig!

Ja, ist denn heut‘ schon Weihnachten? Ja. Fast. Schönen 3. Advent.

5 Comments

Stefan Kapfer

Sehr gut !! Oder sehr gute Idee !!
Auch ich war mal in diesem Buch und es war für die Tonne !!
Ich hoffe Ende des Jahres kommt ein Bahn-Abschlussbericht 😉 !
Vielleicht mit einer kleinen Statistik der Verspätungen …

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Thorsten Rother

Das Buch ist ein sehr schönes, ein tolles Produkt, aber halt nicht dafür, wofür es angepriesen wird. Inzwischen haben sich zu viele dort eingekauft mit denen ich nicht in einen Topf geschmissen werden möchte. Man könnte fast meinen die “Instagramér” kapern und entern den Markt. Vielleicht ändert sich ja noch mal das Konzept, wenn man einen Sponsor hat -der die Anzeige finanziert -würde das allerdings schon wieder Sinn machen!?

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Anonym

Sorry wenn ich jetzt auf den Anfang des Blogs zurück komme und hier eine (vielleicht) unangenehme Frage stelle: War es nicht dein Ziel, sich nicht dem Preisdruck zu unterwerfen, dein Honorar zu erhöhen, ab sofort auf 3.500? Dich eher filmischen Projekten zu widmen? Eben nicht mehr ständig Angebote zu schreiben, nur dass dann doch der billigste den Job bekommt? Und jetzt bietest Du hier an, jegliche Fahrtzeit in Kauf zu nehmen um einen halbtags Job zu machen, und dann auch noch zeitnah die Bilder im Zug zu bearbeiten und zu versenden? Hab ich das jetzt so richtig auf die Reihe bekommen, oder habe da was nicht kapiert?

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Thorsten Rother

Die Frage ist mir nicht unangenehm oder besser deine Latte an Fragen. Zu erst, mein Tageshonorar habe ich auf 3200 Euro gesteigert, und nicht auf 3500 Euro. Dieses Tageshonorar gilt für kommerzielle Aufträge im Kampagnenbereich die von Werbeagenturen für Großkunden und Konzerne (das muss man im Grunde nicht dazu schreiben, wenn man von Fach ist, müsste das klar sein.) angefragt werden.

Editorial / Magazine haben bereits oft feste Tagespauschalen, da braucht es keine großen Angebote. Es ist auch nicht richtig das ich generell jegliche Fahrzeit in Kauf nehme um einen halben Tag zu arbeiten. Richtig ist, das ich dieses für ganz bestimmte Shootings die mir strategisch ins Kalkül passen tue, für etwas was mich null interessiert und was fotografisch nicht zu mir passt würde ich das ausschließen. Falsch ist auch, das ich im Zug bereits die Bilder bearbeite, sondern ich schrieb: das ich bereits “die Auswahl mache”, das ist eine Sortierung der Motive die für den Druck in Frage kommen. Eine Bearbeitung im Zug ist wohl kaum der richtige Ort.

Für diese Art Aufträge kommen ich bestimmten Redaktionen mit meiner “Aktion” entgegen, damit ich öfter an solche Veröffentlichungen gelange. Wie ich das finanziere habe ich geschrieben. Jeder kann für sich selber entscheiden wo er sein Geld lässt, der eine in Buchseiten für seine Bilder, der andere in Weihnachtsgeschenke für seine Kunden, oder in andere Art Aussendungen – womit er den Kunden letztendlich umwirbt um sich für Jobs zu positionieren. Ich gebe es halt direkt weiter, und gehe nicht den Umweg über eure Werbemaßnahmen. Mein kleiner wirtschaftlicher Angriff ist nicht der Untergang des Abendlandes, sondern ein Schmankerl zu Weihnachten -nicht mehr nicht weniger.

Alles klar jetzt?

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