Aussichten für 2017

2017 – ein entscheidendes Jahr. Wahrscheinlich nicht nur für mich, denn auch wenn wir von vielen ebenfalls etablierten Kollegen nur vermeintliches Schweigen vernehmen, fühlt man doch sehr deutlich, welcher Druck momentan in der werblichen Fotografie steckt. Laut Statistik gehöre ich mit meinem Tageshonorar zu den 4% der Kampagnen-Fotografen in Deutschland – ein kleiner elitärer Markt in dem sich spätestens im letzten Jahr viel getan hat. Oder sagen wir es noch deutlicher: dieser Markt löst sich auf.

Das hat mindestens 3 Gründe:

1. Es gibt ein Kampagnensterben in der Werbung.

2. Die Motive entstehen zunehmend mehr mit 3D oder CGI am Rechner, da liefern wir Fotografen nur noch Baumaterial.

3. Die jungen Fotografen, nennen wir sie (“Instagrammer”), sind klar auf dem Vormarsch und dringen immer weiter in den Markt vor.

Punkt 3 finde ich am interessantesten und stellt für mich als etablierten Fotograf die deutlichste Bedrohung da. Bedrohung deshalb, weil mir diese Fotografen deutliche Marktanteile abgenommen haben. Leider kennen sie sich geschäftlich wenig aus und Errungenschaften wie Buyouts und vernünftige Honorare werden leider größtenteils über Bord geworfen, um an die Jobs zu kommen. Das kann man finden wie man will, aber es ist nicht wegzudiskutieren und Realitäten sollten anerkannt werden, ansonsten kann man ihnen nicht begegnen: Nie war es einfacher Fotograf zu werden als heute. Und nie war es schwieriger als Fotograf sein Geld zu verdienen.

Für mich als “etablierter” Fotograf, der schon gute Zeiten mitnehmen konnte, geht es hier genauso um die berufliche Existenz wie bei vielen meiner Kollegen, die hauptsächlich in der Werbung tätig sind. 2017 werden einige von uns den Platz verlassen müssen, weil der Preiskampf nicht länger mit einer herkömmlichen Struktur durchzuhalten ist. Sie ist in den meisten Fällen von den heutigen Honoraren nicht mehr finanzierbar. Leasingverträge für die Mittelformatkameras werden platzen und Studiomieten werden nicht mehr bezahlt werden können. Sicher gibt es auch ein paar Ausnahmen, die von ihren Altkunden leben – aber auch hier werden die Einschläge näher kommen. Geht ein Altkunde von Bord wird man diesen nicht ersetzen können.

Ich selbst habe mich Ende des Sommers dazu entschieden noch einmal alles auf NULL zu setzen und meine persönliche Arbeitsstruktur weiterzuentwickeln. Nun ist es so weit ab Januar am Markt anzugreifen. Und wer glaubt, es wird kuschelig, der irrt gewaltig. Am Markt herrscht wie oben beschrieben ein derart harter Verdrängungswettbewerb, dass es nicht mehr nur ausreicht gute Bilder zu schießen. Sondern auch den Rotstift an den richtigen Stellen anzusetzen. Wie schon in einem anderen Artikel beschrieben werde ich in der ganzen Breite des Marktes (Editorial, Direktkunde, Werbung, Markenrepräsentanz, Dozententätigkeit, Beratungstätigkeit) der Fotografie fischen. Natürlich bedeutet das auch, dass ich verdrängen muss um erfolgreich zu sein.

Falls an der Stelle die Frage aufkommt: Warum tust Du Dich nicht mit Kollegen zusammen und versuchst gewisse Standards zu etablieren? Die Antwort ist denkbar einfach: wir Fotografen sind ein heillos zerstrittener Haufen Einzelkämpfer, von denen jeder für sich seine eigene Strategie verfolgt. Solange das so ist, bin ich leider gezwungen dies ebenfalls zu tun – ansonsten bleibe ich auf der Strecke.

Das wird nicht allen gefallen, aber man tut gut daran es sportlich zu sehen. Wir leben ja in einer Marktwirtschaft, deshalb z.B. auch die “Bahncard 100 Aktion für Redaktionen”. Mich kostet diese Maßnahme keinen Cent mehr in meinem Jahresetat – und genau darum geht es, für mich ist nur noch mein persönlicher Etat entscheidend. Ihr verschenkt an die Redaktionen womöglich Weihnachtsgeschenke oder macht eine Aussendung. Das kostet (nicht wenig) Geld. Von mir bekommen sie nichts, ist abgeschafft -aber für bestimmte Aufträge fahre ich fahrkostenfrei in 2017, was wiederum mein ganzjähriges “Weihnachtsgeschenk” ist. Gleiches gilt für die Kameraausrüstung, hier lautet die Devise ebenso „weniger ist mehr“. Dass ich mein neues Equipment weitgehend gesponsert bekam und daher keine Kosten mehr anfallen, war ein glücklicher Zufall, mit entstanden durch diesen Blog. Diesen Wettbewerbsvorteil werde ich natürlich einsetzen, um mich bei bestimmten Produktionen mit geringeren Produktionskosten durchzusetzen. Ich verliere so also kein Geld, nutze aber konsequent meine neuen Möglichkeiten.

Diejenigen, die jetzt glauben, ich mache nun Dumpingpreise, irren. Mein Tageshonorar (Werbung) werde ich extrem hoch, die Produktionskosten dafür extrem niedrig halten. Diese Kosten sind sowieso nur ein durchlaufende Posten und landen nicht in meiner Tasche, das Honorar schon. Sind wir doch mal ehrlich: wir “etablierten” Fotografen nehmen zu einem großen Teil viel zu viel Licht, Personal und Equipment mit zu einem Auftrag. „Diese Show braucht es!“, so ist es in unseren Köpfen verankert. Das Problem ist nur: die Show wird nicht mehr bezahlt – also weg damit! Genau hier kommt nun noch ein Vorteil gegenüber dem “Instagrammern” zum Tragen: Ich habe schon große Jobs gemacht und gezeigt, dass ich liefern kann, das muss ich am Markt nicht mehr beweisen. Darüber hinaus nimmt man mir ab, wenn ich sage: ich brauche nur das an Equipment für den Job. Punkt! Noch wichtiger ist, dass ich jedes Bild in meinem Portfolio reproduzieren kann, was ich bei den ganzen „authentischen Schnappschüssen“ der “jungen Wilden“ zu bezweifeln wage. Denn alles, was Du da draußen in Deiner Mappe zeigst, musst Du auch liefern können – und zwar auf Knopfdruck, wenn es drauf ankommt.

Es geht natürlich nicht nur um Geld. Vielmehr wird die neue Struktur mir helfen mehr Aufträge in meinem Sinne zu realisieren. Und sollte einmal ein Job dabei sein, der lukrativ ist, aber die Motive mir nicht wirklich gefallen, muss ich abwägen, ob ich ihn annehme. Nehmen wir an, ich tue das, so habe ich mit mir selbst die Vereinbarung getroffen, von dem erzielten Honorar eine tolle freie Strecke im Anschluss zu fotografieren. Quasi als Ausgleich.

Warum? Als Fotograf kannst Du Deine Zukunft nur sichern, indem Du zur Marke wirst, Deinen Nimbus kontinuierlich ausbaust und von den Kunden her breit aufgestellt bist. In Zukunft wird es immer wichtiger WER das Bild gemacht hat, wenn man von dem Ergebnis vernünftig leben möchte. Diese Herausforderung anzunehmen wird 2017 meine Aufgabe sein. Das ist alles andere als leicht, aber ich gehe es mit Spaß und Zuversicht an und: ich mag den Wettbewerb!

Besonders spannend finde ich die (neue) Tätigkeit als Markenrepräsentant. Eine derart faire geschäftliche Zusammenarbeit, von der Fotograf und Unternehmen gleichermaßen profitieren, ist gerade heutzutage äußerst selten. Und dabei ist authentisches Marketing so denkbar einfach: Ich bekomme das Werkzeug und gebe im Gegenzug das Endprodukt. Von dieser Zusammenarbeit werde ich im Januar und Februar einiges zeigen können. Die Termine der Einzelcoachings werde ich deutlich runterfahren, da ich nun die Zeit brauche mein Unterfangen umzusetzen. Und wie ich schon mal geschrieben hatte, sind sie für mich wirtschaftlich auch nicht interessant und von daher nicht erste Priorität.

Weitere Einschätzungen von mir zum jetzigen Stand in der Werbefotografie könnt ihr im Januar in der PhotoPresse und in der ProfiPhoto lesen, beiden Blättern habe ich ein Interview gegeben.

6 Comments

Anonym

Da stimmt einiges, nicht alles. Es interessiert keinen mehr, ob Du mal ein guter Fotograf warst, tolle Ergebnisse abgeliefert hast. Es gibt so viele schlechte Produktionen/Bilder am Markt – da reicht es billig zu sein.
Jetzt kommt das Paradoxe – stimmt, als Fotograf kannst Du von deinem Namen leben, da braucht es keine Show – Du bist glaubwürdig weil Du in der Vergangenheit einen guten Job gemacht hast. Leider trifft letzt gesagtes nur auf Bestandskunden zu, die aus Angst schlechtere Umsätze zu machen keine Experimente mit neuen Fotografen eingehen.

Und es stimmt – Fotografen sind Einzelkämpfer, jeder gegen jeden.

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Daniel Zihlmann

Danke für den anonymen Kommentar. Das bestätigt doch gleich manches aus dem Artikel 😉

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Anonym

So ein Blog macht ja gerade auch durch den Austausch Sinn, da ist ein Feedback doch nur gut, sei es nun zustimmend oder auch nicht. Es wäre ja sonst eine sehr einseitige Orientierung, leider beteiligen sich nicht viele Fotografen daran.

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Thorsten Rother

Die meisten aus der Branche lesen still mit, einige beteiligen sich ab und an auf FB, man kann aber nur feststellen, “anonym bleiben” ist Trumpf. Das wird so lange anhalten bis sich meine “Geschichte” entschieden hat. Bei Erfolgt, springen dann viele (mit) drauf (der Zug ist dann aber schon abgefahren). Bei einem Misserfolg, wird die Beteiligung an der “Häme” ebenfalls nicht sparsam sein.

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Daniel Zihlmann

Viele reden nicht gern drüber, stimmt. Die gehen dann heimlich selber mit den Preisen krass untenrein um irgendwie noch ein klein wenig Kohle reinzubekommen. Und der Markt geht noch mehr kaputt…

Stefan Frank

Tja,
viel wahres dabei.
Kann man nur Glück wünschen und hoffen das sich die Branche erholt.

Ich kann hierbei nicht müde werden alle zur Transparenz anszustiften, die geheimhalterei rund um die Tagessätze machte es den Kunden einfach billig einzukaufen!!!!

Und auch das habe ich ja schon geschrieben, die Branche als solches hat verschlafen das die Wege/Ausbildung heute nicht mehr für alle so gesetzt sind. Die vielen Quereinsteiger die auch sehr gut sind kennen eben nur den fotografischen Teil der Arbeit. Die haben vom Bizniz, buyouts, angemessene Tagessätze…..etc oft wenig Ahnung.

Ich kann nur hoffen das die Geiz-ist-Geil-Mentalität, wie sie auch in vielen anderen bereichen vorherscht, irgendwan endet und der Kunde erkennt das Qualität auch bezahlt werden muss.

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