in progress

Letzte Woche habe ich mal wieder eine Kampagne geshootet. Der Auftrag kam ganz klassisch von einer Werbeagentur und hatte nichts mit meiner Tätigkeit als Markenbotschafter zu tun. Langweilig? Mitnichten. Es gibt einiges zu berichten, was uns Hoffnung machen sollte.

Was habe ich Richtung Aufträge überhaupt noch unternommen? Aktiv habe ich mich seit Beginn meiner Neuausrichtung bei keiner Werbeagentur mehr ins Gespräch gebracht – keine Newsletter verschickt, keine Geschenke gemacht und auch keine Platzierungen in “Bezahlbüchern” mehr gebucht. Also praktisch nichts. Vor 2 Monaten kam der Anruf von einer Agentur mit der Absicht „mal vorzufühlen“. Schließlich höre ja man grade so viel Irritierendes. Zugegeben etwas amüsiert, war ich gespannt, was der tatsächliche Anlass des sehr freundlichen Gesprächs war, das sich entwickelte. Nun, wir waren uns nicht fremd. Ich hatte für den Kunden der Agentur bereits vor einiger Zeit eine Kampagne geschossen und eben dieser würde sich freuen, wenn ich diese im selben Setup weiterführen würde. Da es sich um einen People-Job mit Portrait-Fokus handelte war das für mich absolut fein.

Auf meine Daylight Anmutung zu wechseln, konnte ich an dieser Stelle vom Kunden nicht erwarten. Es wäre mit dem Ziel, die erste Kampagne weiterzuführen, nicht vereinbar gewesen. Von daher: Studio und Rent Light (Blitz). Neu hingegen waren für die Agentur meine etwas überarbeiteten Modalitäten: mein Honorar, 100% der Fremdkosten (eine Woche vor Auftragsbeginn), 50% vom Fotografenhonorar (eine Woche vor Auftragsbeginn), keine Supervision und keine Postproduktion. Zum letzten Punkt ist noch zu sagen, dass ich nur noch Postproduktionen begleite oder durchführe, die meiner Ausrichtung vollkommen entsprechen. Bei allen anderen Wünschen sperre ich mich nicht gegen die Weiterbearbeitung durch Dritte, jedoch endet für mich der Job nach dem Shooting mit Übergabe der Daten. Das ist auch nicht verhandelbar. Beauty-Retuschen kann man machen, interessieren mich aber persönlich nicht und von daher hat keine der beiden Seiten etwas von meinem Zutun.

Was soll ich sagen, die Bedingungen wurden akzeptiert und ausnahmslos erfüllt. Anstatt großem Hin und Her gab es eine wunderbare Produktion in Berlin, die wie am Schnürchen lief. Das sind tolle Nachrichten. Wurde mir doch 6 Jahre lang das komplette Gegenteil eingeredet: “So etwas ist nicht möglich und beruflicher Selbstmord, Thorsten!”. Den „Ratgebern“ von damals kann ich nur wünschen, dass sie mittlerweile begonnen haben ihre Einstellung und Sichtweise zu vielen Dingen einem erneuten Prüfstand zu unterziehen. Ich befürchte allerdings, solche status-quo-Berichte wie dieser schüren eher Zorn und Missgunst gefolgt von Einwänden á la „das war jetzt ja nur ein Job“… Guter Punkt. Ohne zu viel zu spoilern: Der nächste Kampagnen-Job ist schon in der Tasche. Der Kunde möchte zu 100% meine neue Daylight-Ausrichtung für seine Motive haben, weshalb ich hier auch die Post begleiten werde. Darüber hinaus tut sich nun auch etwas im Editorial Bereich (dazu aber demnächst mehr in einem weiterem Blogeintrag).

Meine Neugier, immer mal wieder nachzuschauen, wie es dem alten (und meiner Meinung nach sicher sinkenden) Schiff, welches ich verlassen habe, ergeht, dürfte nachvollziehbar sein. Nur sehen kann ich bis dato nichts. Aber vielleicht gilt auch hier: Kein Zeichen ist auch ein Zeichen- wenn auch in diesem Zusammenhang wahrlich kein Gutes.

Mein persönliches Learning zusammengefasst: es lohnt sich immer eine klare Haltung zu haben und diese freundlich aber deutlich zu vertreten. Besonders schön finde ich es auch, nicht mehr nur auf Werbung festgenagelt zu werden. Sicher ist nach wie vor alles noch etwas in der Schwebe, nichts ganz fix beschlossen und viele Ideen noch in der Warteschleife, wartend auf den Moment überhaupt erst „in progress“ zu kommen. Aber soll ich Euch was sagen? Ich glaube, genau in diesem, sich ständig änderndem, dauernd neu zu überdenkendem und nie ganz vollendeten Stadium, den für mich perfekten Zustand gefunden zu haben.

 

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