2000 years

2000 Jahre unter dem Meer

Gestrandet, im Sturm versunken und verschollen – von einem Wrack eines römischen Frachtschiffes an einer verlassenen Stadt am Schwarzen Meer.

Die Crew des Institutes für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der LMU München, der BGfU und deren rumänischen Partner bereiten sich auf ihre wohl bis jetzt spektakulärste taucharchäologische Erforschung eines einzigartig gut erhaltenen Wracks (aus dem 2. Jh. n. Chr.) an der Küste des Schwarzen Meeres vor.

Alles begann mit dem Besuch eines Vortrages an der Universität München. Max Fiederling, Doktorrand der Archäologie, lauschte den Ausführungen über die griechisch-römische Siedlung Argamum, sowie der naheliegenden Insel Bisericuţa, beide am Razim-See direkt am Schwarzen Meer gelegen. Er beschäftigte sich näher mit dem Thema und stieß auf topografische Auffälligkeiten. Argamum war in der Antike eine blühende Metropole und wurde in der Spätantike urplötzlich aufgegeben.

Der heutige See ist die ehemalige Bucht so wie der Hafen dieser Stadt und gehörte zum Schwarzen Meer. Er wurde durch zunehmenden Sedimentauftrag vom Meer getrennt und stellt heutzutage einen lagunenartigen Binnensee dar, der immer weiter verschilft. 2015 unterstütze Max und ein kleines Team der BGfU unter der Leitung von Dr. Pflederer die landseitigen archäologischen Forschungen von Prof. Dr. Päffgen der LMU München. In einem kleinen Boot fuhren sie das Gebiet zwischen Argamum und der Insel Bisericuţa immer wieder mit einem Sonar-Scanner ab. Bei einer Pause am Strand machten sie die Bekanntschaft eines ortsansässigen Fischers, der sich als wichtige Informationsquelle erwies. Er erzählte davon, dass er beim Fischen nahe der Küste mehrfach mit seinen Fangnetzen an einer bestimmten Stelle hängen geblieben war und oft in den zerstörten Netzen Scherben entdeckt hatte.

Der Forschergeist war sofort hellwach: gleich machte man sich daran, die Stelle wieder zu finden, wobei die ortsansässigen Fischer bereitwillig mithalfen. Schon die erste Sonarfahrt an der beschriebenen Stelle förderte einen der spektakulärsten Funde in der heutigen Unterwasserarchäologie zutage: Ein Wrack, nur mehrere Hundert Metern vom Strand entfernt. Nach ersten Untersuchungen stand fest, dass es sich um ein römisches Frachtschiff aus dem 2. Jh. n. Chr. handelt. Man darf davon ausgehen, dass das Schiff bei starkem Seegang in Not geriet und am Eingang zur Bucht von Argamum sank.

2017, Professor Päffgen, Max Fiederling, Tobias Pflederer und ein 10-Mann-starkes Team sind in diesem Sommer zurückgekehrt, um die entscheidenen Untersuchungen am insgesamt 20 Meter langen Wrack vorzunehmen. In mehreren Tauchgängen wird die Crew Fundstücke heraufholen und anschließend katalogisieren, auch die genaue Bauart des Schiffes wird bestimmt werden. Der Fundort des Wracks wird geheimgehalten, um ihn vor kommerzieller Plünderung zu schützen – die antiken Fundstücke sind Sammlern auf dem Schwarzmarkt horrende Summen wert.