Marari

MARARI a fishermen’s place,

ist ein 60 Kilometer langer Strandabschnitt zwischen Cochin und Alleppey an der westindischen Malabarküste im Bundesstaat Kerala. Das Fischerdorf Mararikulam und seine Strände sind vom Tourismus noch weitgehend unberührt geblieben. Die Umgebung scheint der Gegenwart entrückt und die Zeit 100 Jahre langsamer zu laufen als im Rest der Welt. Die Menschen hier sind größtenteils schon seit Generationen Fischer, keine arrangiertes Touristenfolklore also, sondern die tägliche Sicherung des Lebensunterhalts von bis zu 12 Personen pro Fischerfamilie. Die Ruhe in Marari sorgt für eine einzigartige Atmosphäre der Zurückgezogenheit.

Beim Anblick von endlos langen Sandstränden mit sich im Wind wiegenden Kokospalmen könnte man meinen, in einem weltlichen Paradies gelandet zu sein. Den Fischern von Marari geht es für indische Maßstäbe wirtschaftlich sehr gut. Im Hinblick auf Globalisierung und der Überfischung der Meere ist es wohl eine bemerkenswerte Ausnahme, vom täglichen Fischfang mit kleinen 10-Mann-Booten ein verhältnismäßig gutes Leben führen zu können. Kerala gilt generell als reicher Bundesstaat.

Und doch hat dieses vermeintliche Paradies einen großen Fleck auf seiner Weste. Wie im gesamten Bundesstaat herrscht auch in Marari Prohibition. Der Alkoholismus hat viele Menschen fest im Griff, sodass die Regierung 2014 ein Alkoholverbot verhängte. Hochprozentiger Alkohol ist nur noch über rar gesäte staatliche Schnapsläden erhältlich – die Preise sind entsprechend astronomisch hoch. Das öffentliche Trinken ist komplett untersagt: keine Bar, Café oder Restaurant besitzt eine Lizenz für Alkoholausschank.

Dass es nun keine abhängigen Alkoholiker mehr gibt wird wohl nicht mehr als ein frommer Wunsch der Regierung bleiben, denn wie so oft verschärft auch hier ein Verbot die Situation: Die Leute brennen sich aus Kokosnüssen ein fieses Gebräu, das jegliche kognitiven Fähigkeit langsam aber sicher vernichtet.

Viele Fischer sind bereits morgens schon bzw. immer noch stark alkoholisiert, was man deutlich an ihren getrübten Augen erkennt. Das Wort Blindmacher trifft es sehr genau. Die Menschen in Marari zu fotografieren ist grundsätzlich nicht einfach, sie begegnen Fremden sehr scheu, fast schon misstrauisch.

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